Für Interessierte und solche die es werden wollen… Hier als Abkürzung die Links zu meinen fiction-writing-Monatstexten:
Heutzutage ist es ziemlich schwer, anhand von Kritiken herauszufinden, ob einem ein Kinofilm wirklich gefällt: man kann sich eigentlich fast jedes Urteil aussuchen, jenachdem, welche Kritik man liest. Dementsprechend zwiespältig waren auch die Medienreaktionen, als der Film “Das Leben der anderen” anlief. Aber da er diesen Sommer im Schauburg Open Air lief, habe ich die Neugier siegen lassen und mir den Film angesehen. Beim Anschauen sollte man bedenken, daß es dem Regisseur um die Psychologie der Stasi geht. Um die Frage, wie funktionieren die Rädchen in diesem Machtapparat. Darin ist der Film auch sehr gut. In unterschiedlicher Tiefe läßt er verschiedene Haltungen sowohl von innerhalb als auch von außerhalb der Stasi Revue passieren. Natürlich sind dabei die Charaktere genauer gezeichnet, die wichtiger für die Handlung sind. Der Film könnte tatsächlich ein Anfang sein, die DDR-Klischees (zumindest im Kino) abzuschütteln. Dazu eine Anekdote am Rande: vor dem Beginn des Filmes kam der Regisseur Florian Henckel von Donnersmarck zu Wort und berichtete, daß ein Fernsehsender das Projekt abgelehnt hatte mit dem Hinweis: “Machen sie daraus eine Komödie und wir nehmen es.”
Das dürfte unmöglich sein. Aber in Büchern kann man Techniken nachschlagen (z.B. in den Tissier-Büchern) oder die anfangs verwirrenden Namen der Techniken lernen. Ein anderer Aspekt ist: einfach mal die eigene Begeisterung für Aikido auffrischen und lesen, daß es anderen genauso geht. Dazu schlage man das Stenudd-Buch auf. Es vermittelt keine Techniken, aber gibt dem erklärungsverliebten Europäer eine Einblick in die japanische Denkweise und die Tradition des Budo, immer aus dem Blickwinkel von Aikido. Das beste an dem Buch ist, daß man es sich legal als PDF (in Deutsch) herunterladen kann.
Wow, eigentlich wollte ich mich bei fiction-writing eigentlich nur ein wenig im Schreibstil verbessern – jetzt werde ich aber schon veröffentlicht (Screenshot). Leben kann ich im Moment noch nicht davon, aber was nicht ist kann ja noch werden…
Heute möchte ich meine beste Bucherwerbung des letzten halben Jahres vorstellen: “Iron Council” von China Miéville. Darauf aufmerksam geworden bin ich durch einen Telepolisartikel.
Die (literarische) Welt des China Miéville läßt sich schlecht in zwei Worten beschreiben. Nur soviel: auch wenn man schon die Entwürfe von Douglas Adams, William Gibson, Iain M. Banks, Terry Pratchett oder anderen kennt… Miéville wird den Leser überraschen. Die fantastischen Elemente werden mit beiläufiger Selbstverständlichkeit kombiniert und arrangiert. Das entstehende Gesamtbild ist sehr überzeugend und zeigt einen Querschnitt der industriellen Gesellschaft des 19. bis 21. Jahrhunderts, komprimiert verschiedene räumliche und zeitliche Aspekte in einem großen Stadtmoloch: “New Crobuzon”. Dieser Name scheint nicht zufällig an “New York” zu erinnern, ich möchte sogar behaupten, daß in “Iron Council” mindestens zwei traumatische Aspekte der amerikanischen Geschichte aufgegriffen wurden: die Eroberung des “wilden Westens” (Eisenbahnbaumotiv) und der nicht gewinnbare Krieg gegen einen fernen Feind. Dazwischen bettet Miéville ohne erhobenen Zeigefinger seine Revolutionsanalyse ein. Genau wie im Telepolisartikel möchte ich es vermeiden, zuviel von der Handlung zu verraten. Alledings möchte ich darum bitten, den “Council” streng linear zu lesen, damit die sprachlich-bildliche Wirkung des Epilogs nicht durch Ungeduld oder Unachtsamkeit zerstört wird.
Der “Iron Council” liest sich äußerst spannend, wenn man sich an die Sprachgewalt Miévilles gewöhnt hat. Ich empfehle auch dringend das englische Orginal: die deutsche Übersetzung, die ich gesehen habe, wirkt vom Einband kitschiger und die Übersetzung des Prologs war zwar nicht falsch aber es fehlt die Intensität des Orginals. Beim Lesen sollte man das “Concise Oxford Dictionary” in Griffweite haben, es löst die meisten sprachlichen Rätsel des Buches.