Ein Märchen vom bösen Single
Vorhin stolperte ich in Spiegel Online über einen Artikel zum leidigen Thema Singles. Mal von dem Inhalt des ganzen Artikels abgesehen, fiel mir folgender Satz besonders auf:
In einem Land, das kaum noch Junge hat und seine Alten bald nicht mehr finanzieren kann, werden Singles immer offener als kinderfeindliche Egoisten angeprangert, die nur die eigene Lustmaximierung im Sinn haben.
Nun sind in letzter Zeit tatsächlich aus der Politik Forderungen nach z.B. Strafsteuern für Kinderlose zu hören und weitere Vorschläge, die nur die Symptome verdecken, aber nicht das Problem lösen. Deshalb dürfte es nicht verwundern, wenn ich – mit Blick auf das deutsche Detailregelungstalent – folgende Szene assoziierte:
Ort: Bundesagentur für Familie. Eine typisch deutsche Amtsstube. Auf dem Schreibtisch Berge von Akten und ein Foto der Gattin. Über allem liegt ein schwache staubiger Geruch.
Beamter: “Der nächste!”
Die Tür öffnet sich zögerlich. Hindurch tritt ein Mann in den dreißigern.
Der Beamte blickt auf: “Guten Tag, Hohn mein Name. Sie sind…” Blick in die Akte “…der K.!”
K.: “Guten Tag, ja das ist richtig.”
Beamter: “Soso, Sie sind also Langzeitbeziehungslos seit …”
K.: “Seit Sieben Jahren.”
Beamter: “Und das hat Ihnen gar nichts ausgemacht? Ich meine, Freunde, Bekannte und so? Die Fragen doch mal nach der Familie und den Kindern?”
K.: “Glücklicherweise komme ich selten in die Verlegenheit, solche Fragen beantworten zu müssen. Und meine Freunde verstehen meine Situation.”
Beamter: “Nun gut, kommen wir zu Ihrem Antrag. Sie hätten also gerne eine weitere Zurückstellung, bevor Ihre Befreiung von der Singlesteuer wegfällt?”
K.: “Ja, wenn sich da was machen läßt?!”
Beamter: “Das wird schwer. Ihre Befreiung wurde schon zweimal verlängert. Je älter Sie werden, desto schwieriger sind sie zu vermitteln. Was haben Sie denn unternommen, um Ihre Lage zu ändern?”
K.: “Äh, ich habe mir Literatur angeschafft um mich weiterzubilden. Den Antrag müßten Sie in den Unterlagen haben.”
Beamter: “Sie meinen also es reicht, ein paar Bücher zu lesen?”
K.: “Nun, ich habe studiert. Bücher liegen mir eben. Außerdem war ich auf einem Kurs. Vor zwei Jahren. ‘Frauenansprechen leicht gemacht’.”
Beamter: “Und? Das Ergebnis?”
K.: “Der Trainer hat gesagt, ich soll mir lieber ein Buch kaufen.”
Beamter (macht ein kreuz in der Akte): “Soso. Weitere Versuche?”
K.: “Voriges Jahr wollte ich mich zu einer Frauenbeschaffungsmaßnahme anmelden. Aber Ihr Kollege hat mir damals abgeraten, weil die beantragte weitere Rückstellung mit meiner ‘tendenziell positiven Vermittlungchance’ begründet wurde. Eine staatliche FBM hätte da nicht gepaßt.”
Beamter: “Haben Sie sich privat engagiert? Wenn Sie etwa Belege über Diskobesuche hätten?”
K. (frustriert): “Das funktioniert nicht. Sie wissen doch, was da verlangt wird. Jung muß man sein. Nicht älter als zwanzig. Aber trotzdem schon fünf Jahre Eheerfahrung. Kinderpflege wird vorausgesetzt und Intimfähigkeit. Am besten noch eine Auslandsehe, das macht sich gut im Lebenslauf. Und wenn dann in solchen Läden mal eine mit mir redet, kommt so ein jungdynamischer Schnösel mit Goldkettchen und Kinderwagen vorbei, windelt mal eben das Kind aus seiner letzten Beziehung und schon ist die Frau mit ihm verschwunden – zum ‘Steuern sparen’.”
Beamter: “Sie haben recht, aber ich kann das nicht ändern.” Seufzend deutet er auf den Aktenstapel “Bin froh, wenn ich mich da durchgearbeitet habe.”
K.: “Was mache ich jetzt?”
Beamter: “Abwarten. Ich werde sehen, was ich machen kann. Wir haben eine neue Software bekommen, vielleicht kann ich da noch etwas rausholen. Bis dahin könnten Sie z.B. eine Ich-Familie gründen.”
Und es sage dann keiner, ich hätte nicht rechtzeitig gewarnt…



das ist _brilliant_
)
Was mich zum Schmunzeln bringt, rettet meinen Tag
Comment by testdriver — 04.06.2006 @ 17:33