1. Kapitel: Der Auftrag

Es war einer dieser Tage an denen die Langeweile wie ein kalter bedrohlicher Eiszapfen an der Zimmerdecke hängt. Sekunden und Minuten fielen wie eisige Wasserropfen in mein Genick und lähmten meinen Willen. Der Kühlschrank war leer bis auf eine halbe Flasche Heinz Ketchup und eine Schachtel Zigaretten. Ich brauchte dringend einen neuen Auftrag.
Leider sah auch das Telefon nicht so aus, als ob es klingeln und mir einen einträglichen Job verschaffen wollte. Ich war darum ziemlich überrascht, als es mich ohne Vorwarnung aus meinem Halbschlaf riß.
Eine bekannte Stimme meldete sich, aber ich war zu müde um in den ersten fünf Minuten irgendetwas zu verstehen. Wie Nebelfetzen trieben die Sätze durch meinen Kopf: nur mir könne er trauen, ich sei ihm doch noch einen Gefallen schuldig, nur schade, daß es für diese Sache sein muß, es ginge um Leben und Tod. Langsam wurden meine Gedanken klarer, obwohl die Zimmerwände immer noch hin und her waberten. "Ganz langsam und zum mitschreiben. Mit wem habe ich die Ehre und was kann ich für Sie tun?" Es stellte sich heraus, daß es mein alter Bekannter A. war und ich sollte ihm bei einem Geschäft helfen, weil er verhindert sei. "Es ist ganz einfach" erklärte er "der Deal findet am letzten Samstag im Februar statt. Du fährst hin und mischst Dich ein wenig ein. In der entstehenden Aufregung ist das Objekt nicht bewacht, Du schnappst es Dir und bringst es her." Das klang tatsächlich ganz einfach, doch die in meinen Augen aufblitzenden Dollarzeichen verschwanden wieder als ich auf den Kalender sah: wir hatte noch nicht einmal Mitte Januar aber die Sache stieg erst Ende Februar. Irgendetwas mußte ich bis dahin essen. Mein Magen knurrte. Also suchte ich den zerschlissenen Parka hervor und machte mich auf den Weg zu den barmherzigen Schwestern in der Bahnhofsmission.
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